Montag, 17. August 2009
Southern Hospitality
Die Bewohner von Baton Rouge sind sehr freundlich. Üblicherweise wird dieser Umstand der 'Southern Hospitality' zugeschrieben und durch sie erklärt. Bisher waren alle Leute die ich getroffen habe, äußerst nett zu mir, vor allem in Geschäften. Bei CVS, einem drugstore in der Government Street, habe ich gestern einen Film zum Entwickeln abgegeben. Beim Betreten des Ladens bittet die Kassiererin mich freundlich, meine Tasche abzulegen. Ich leiste ihrer Aufforderung folge. Interessanterweise ist meine Tasche, nachdem ich sie neben der Kasse abgelegt habe, die einzige dort. Ich erkläre mir das dadurch, dass ich die einzige Person bin die nicht mit dem Auto hier hergekommen ist. Als ich ihr den Film gebe, fragt sie nach meinem Namen, den ich wie üblich nenne und unaufgefordert buchstabiere. Mein Film wird morgen fertig sein, versichert sie mir. Als ich am nächsten Tag am Filmtresen neben der Kasse stehe, sieht sie mich und begrüßt mich: Oh, Marcus, nice to see you. You have shot some interesting pictures. - Thank you. Sie erklärt mir noch wo ich eine Telefonkarte herbekomme und wünscht mir einen schönen Tag beim Verlassen des Ladens. Ich glaube ich werde dort wieder einkaufen. Überaus freundlich waren auch die Leute in Alladin's Lamp Shop und im Southern Photo Service. Der Herr im Fotoladen erzählt mir es gebe kaum noch Geschäfte in der Stadt die Kameras verkaufen, auch er hat damit vor einigen Jahren aufgehört. Grund dafür sind die Steuern, die immer anfallen wenn man hier etwas kauft und die, wie ich heute bemerkt habe, nicht auf den Preisschildern ausgewiesen sind. Diese Art Besteuerung erscheint mir fast so tückisch wie die Moskitos die gerade versuchen mir das Blut aus den Füßen zu saugen. Der Mann im Fotogeschäft gibt mir den guten Tipp, eine Kamera in einem anderen Bundesstaat zu bestellen, dann könne ich die Steuern sparen. Bei einer Kamera für tausend Dollar kann das bei einem Steuersatz von 9 Prozent schnell mal fast hundert Dollar ausmachen, rechnet er mir vor. Dann schreibt er mir noch Internetadressen für Kameratests und so weiter auf. Die Frau im Lampenladen hat mir Hallo gesagt, als sie mich inmitten des von ihr angesammelten wunderbaren Kitschhaufens entdeckt. Sie habe mich garnicht reinkommen sehen, sagt sie und ich gebe zur Antwort, ich schaue mich auch nur ein wenig um, weil ich Lampen so möge. Sie bemerkt meinen Akzent wie jeder hier und fragt woher ich sei. Aus Deutschland, antworte ich und schon erzählt sie mir dass sie mal dort gewesen sei, am Main und am Rhein und wie schön es dort gewesen sei. Bamberg, erzählt sie, habe ihr besonders gut gefallen. Ihre Schwester spricht gut Deutsch, lässt sie mich wissen. Als sie 1944 oder 45 ihren Abschluss gemacht hat, seien gerade die Nürnberger Prozesse angelaufen und man habe ihr damals einen Job als Übersetzerin angeboten, den sie allerdings abgelehnt habe. Das, so die Verkäuferin, die bedauert, dass sie nur Englisch spricht, sei sehr dumm gewesen von ihrer Schwester.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen