Hey Y'all,
Es ist Montagmittag und heute morgen habe ich erfahren dass mein einziger Kurs heute (Women and Gender Studies) ausfällt. Nun wollte ich schon seit längerem wieder einmal etwas hier rein posten und habe nun auch gerade die muse und entspanntheit eines entzückend startenden Montags die ich dafür nutzen mag. In der Küche habe ich mich eingerichtet (s. Bild) und gerade den Rest eines fantastischen Burritos verzehrt (Memo an Benard und mich: Burritobude und Fritten!)

Gestern wurde mir mitgeteilt dass ich mein bisher bestes, das heisst authentischstes und akzentfreistes "Y'all" (You all) zustande gebracht habe. Das mit der Assimilation klappt also ganz gut. Die Saints, das ist das Footballteam von New Orleans, spielen dieses Jahr im Superbowl. Zum ersten mal seit etwa vierzig Jahren, wie ich glaube oder jedenfalls einem ähnlich erwähnenswürdigen Zeitraum. Alle hier sind aus dem Häuschchen deswegen. Das Qualifikationsspiel für den Superbowl hab sogar ich mir angeschaut und dabei festgestellt, dass Footballspielliveübertragungen auch nicht schlimmer sind als die anderer Sportarten. Um den Superbowl wird nächstes Wochenende gespielt und eigentlich sollte ich nach NO fahren um das Spiel in irgend einer Bar anzuschauen (und die Party danach). In der Woche darauf ist Mardi Gras und ich kanns kaum erwarten, alle ausrasten zu sehen, die Parades zu kucken und mir tausend bunte Ketten um den Hals zu hängen und natürlich ständig mir einzureden dass das hier etwas sehr viel schöneres ist als der öde Karneval daheim. We'll see, y'all.
Die Weihnachtsfeiertage waren ganz gut, auch wenn ich den Rollbraten bei Oma ziemlich vermisst habe als ich an Heiligabend mit Espen, meinem norwegischen Kumpel, bei Mc Donalds dinierte. Leider haben wir die Kerzen vergessen, es war aber auch so ganz schön. Über die Ferien war ich ein paar mal in New Orleans und es war jedesmal mehr oder weniger hitverdächtig. Diese Stadt hat im Sturm mein Herz erobert. Samt Einwohnern.
Dann war ich über die Ferien noch bei Andi und Marjan in Washington, D.C. Es war sehr schön, die beiden wieder mal zu sehen und mit Andi (Phantasie-) Saarländisch zu reden. Insgesamt war es in D.C. sehr gemütlich, obwohl in erster Linie einfach nur kalt, und ich habe die meiste Zeit in den zahlreichen unglaublich ausgestatteten kostenlosen Museen verbracht und mich überwältigen lassen

von Frank Stella,

Alfred Sisley,

Irene Rice Pereira,

und Nicolas de Stael und den ganzen anderen Eindrücken die mich ordentlich überwältigt haben. Ausserdem habe ich ziemlich viele (Reise-) Fotos gemacht,

darunter dieses schöne Postkartenmotiv mit Marjan und mir vor dem Capitol,

einem beeindruckenden Treppenhaus,

dem ersten Zusatz zur Verfassung mit Lampe,

und natürlich der Raumschiffartigen Metro. Meine Reise ist die Touristischste gewesen.
Vor zwei Wochen hat die Uni wieder begonnen. Gewissermaßen habe ich nun die Halbzeit meiner Zeit hier erreicht und es ist mir mehr denn je bewusst, dass ich sehr vieles hier vermissen werde. Mein erstes Semester an der Louisiana State University war ein sehr gutes. Ich hatte wirklich gute Kurse belegt und drei von vier Dozenten waren mit die besten, die ich so weit gehabt habe. Das kommende Semester wird wohl, fürchte ich, leider nicht so toll. Ein Kurs erinnert mich eher so an zehnte Klasse Deutschunterricht am Gymnasium, nur dass die Dozentin andauernd versucht, witzig zu sein und irgendwie wirkt als sei sie auf Koks oder einer aus medizinischer Sicht wohl eher fragwürdigen täglichen Dosis Antidepressiva. Die Kunstgeschichtetante nervt mich irgendwie nur noch weil sie ständig alles, was mit 'echter' Geschichte zu tun hat, übervereinfacht und Kunstgeschichte für sie wohl mehr mit Bilder ankucken als mit Theorie zu tun hat. Ausserdem schreibt sie Namen und Daten grundsätzlich falsch. Dafür ist der Geschichteprof bei dem ich das Antebellum South Seminar belege, eine sehr angenehme Erscheinung und geht locker als Ebenbild eines 'Southern Gentleman' durch. Sehen wir mal, wie es weitergeht.
Es scheint sich ja herumgesprochen zu haben, dass ich Anfang Januar in nicht gerade Schwierigkeiten sondern eher anekdotenhaft-unterhaltsame Umstände mit gewissen Vertretern der Staatsgewalt geraten bin weil ich Fotos von chemischen Anlagen gemacht habe. Letzten Donnerstag konnte ich glücklicherweise (doch recht schnell, finde ich) etwas Sicherheit an den Staat zurückgeben: Ich wurde Zeuge eines versuchten Einbruchs in das Haus unserer Nachbarin. Ein fremder Mann schlich ums Haus und Blue, der faule Köter, hat gebellt wie bekloppt. Spätestens als das klirrende Geräusch einer zu Bruch gehenden Fensterscheibe erklang, schrillten meine Alarmglocken: Ein Einbruch ist im Gange! Zack die Cops gerufen die ziemlich flott aufkreuzen. Innerhalb von zehn Minuten kommen drei Polizisten zum Ort des Verbrechens. Weitere zehn Minuten später sind es elf. Die meisten davon in schussicheren Westen und manche fahren so pechschwarze Autos. Und ein Hund darf auch nicht fehlen. Kurze Zeit später kreist ein Hubschrauber mehrermals über dem Block. Wieder werde ich das unangenehme Gefühl nicht los, den amerikanischen Steuerzahlern nicht wollend und übertriebenerweise zur Last zu fallen. I am sorry. Ich hoffe, in nächster Zeit in keinerlei Kontakt mit Gesetzeshütern treten zu müssen.
Ich mache jetzt Schluss hier, schliesslich ist es nun schon halb drei. Ich hoffe darauf, dass morgen das Wetter besser wird, damit ich wieder zur Uni radeln kann. Letzte Woche war es schon so weit: T-Shirt-Wetter und Nachmittage auf der Porch (Veranda) vorm Haus. Obwohl ich die ganzen Meldungen über Schnee und Kälte und Überwinter in D auch nicht übel find. Wie gern ich hier mal Schlitten fahren würde...
Bestes,
Mrks.